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Alle Beiträge aus dem Monat November 2013

Rauhnächte ’99: Die Reise mit der Gevatterin zur Erdmutter

Veröffentlicht November 22, 2013 von Zarah

Ich muß die Reisen und Ereignisse aus den Rauhnächten ein wenig aus dem chronologischen Zusammenhang reißen, da sonst die Beiträge zu lang werden, zumal es wohl sinnvoll ist, sie ein bißchen nach Themen zu ordnen. Die folgende Reise begab sich zwischen der danebengegangenen Reise zu Großmutter Bär und der ersten, die richtig klappte. Ich hatte mich wegen  heftiger Menstruationsschmerzen in die Badewanne gelegt, und mir fiel ein, daß ich ja die Muschelfrau um Hilfe bitten könnte, da Nayoma gesagt hatte, daß man das machen kann. Die Muschelfrau hat mit Weiblichkeit, mit dem Mond und dem Meer zu tun. Um mit ihr Kontakt aufzunehmen, stellt man sich an irgendein Gewässer und ruft nach ihr. Ich stellte mich also an ein Flußufer und rief sie. Bald legte ein Boot am Ufer an, um mich abzuholen – doch wer darin saß, war jemand völlig anderes. 😉

Viele Jahre später hatte ich einen Traum, in dem ich mit einer wunderschönen, schwarz gekleideten Frau mit sehr anmutigen Bewegungen auf einer Sandfläche einen Schwertkampf ausfocht. Da ich im Schwertfechten nicht wirklich geübt bin, war ich sehr stolz, daß es ihr nicht gelang, bei mir einen Treffer zu landen. Und auch in diesem Traum half mir die Erdmutter (in ihrer Gestalt als Planet Erde), am Leben zu bleiben. Seitdem habe ich herausgefunden, daß Sandflächen in meinen Träumen immer was mit Tod zu tun haben – auch wenn ich nicht weiß, warum das so ist.

Daß der Tod mir immer als weibliche Gestalt erscheint, finde ich interessant … im Rückblick sieht es jedenfalls so aus, als seien die ganzen Rauhnächte damals ein Crashkurs in Sachen Weiblichkeit gewesen. (Dazu sollte ich vielleicht erwähnen, daß ich mich nie besonders weiblich gefühlt habe. Lange Zeit hatte ich das Gefühl, ein Mann im falschen Körper zu sein, und es fiel  mir schwer,  meinen weiblichen Körper anzunehmen. Das ist jetzt schon viel besser geworden … )

Reise  mit der Gevatterin zur Erdmutter

27. 12. 1999

Eigentlich wollte ich zur Muschelfrau, weil ich meine Tage gekriegt hatte und das ziemlich schmerzhaft war. Aber statt dessen kam Gevatterin Tod, mit einer Schädelmaske, um  mich mit einem ‚Boot abzuholen, weil ich jetzt sterben sollte. Es erinnerte mich an die „Karma-Lesung“ bei Helmut Christof vor Urzeiten: Ein toter Mann treibt den Fluß herunter.  Dann ist er wieder lebendig und steigt aus dem Wasser und ist von hinten eine Frau! – Sie fragte mich dauernd, ob ich auch Angst vor ihr hätte? Ich sagte: „Nein, du siehst aus wie auf dem mexikanischen Totenfest, das finde ich lustig.“ Dann kamen wir durch einen dunklen Tunnel, wo alles mögliche grün in der Dunkelheit phosphoreszierte, und sie fragte mich wieder, ob ich Angst hätte. Ich sagte: „Nein, das ist geil, das ist wie Geisterbahn!“ Sie sagte, es mache ihr Spaß, mit mir zu fahren, die meisten Leute würden zittern und schreien und mit den Zähnen klappern. Ich sagte, ich wüßte nicht wieso. Dann fuhren wir über einen steilen  Wasserfall, und dann sagte ich, jetzt hätte ich ein bißchen Angst gehabt. Sie sagte: „Wieso, wenn du doch den Tod nicht fürchtest, was kann dir dann am Wasserfall schon groß passieren?“ Ich sagte: „Ich weiß auch nicht so genau … vielleicht, daß meine Knochen aus dem Boot fallen und verstreut werden und man sie hinterher nicht mehr alle findet und zusammensetzen kann – so wie Isis, die nicht mehr alle Knochen von Osiris finden konnte, nachher fehlte ihm dann der kleine Finger oder so. Oder wie bei den Schamanen.“ [Scheinbar hatte ich da schon eine Vorahnung davon, was mir bevorstand …]

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Dann kamen wir an eine Stromschnelle. Sie sagte: „Halt dich jetzt gut fest, es geht jetzt tief runter.“ Und es ging wirklich tief, so tief, daß ich irgendwann fragte, ob es überhaupt  noch mal aufhört, oder ob wir jetzt für immer nach unten fahren. Es war so ein Strudel, der einen spiralförmig nach unten zog. Es ging aber nicht für immer. Irgendwann kamen wir mit dem Boot an eine Öffnung, die in den  Berg reinging. Davor standen zwei Wächter. Sie sagten: „Wir haben euch schon erwartet. Paßwort?“ Gevatterin Tod sagte: „Wie bitte? Seit wann brauche ich hier ein Paßwort?“ Sie guckten genauer  hin und sagten: „Ach, du bist es? Dann ist alles klar, ihr könnt passieren.“ Darauf meinte sie: „Was soll das überhaupt? Wenn ihr uns erwartet habt, dann wißt ihr doch Bescheid, oder?“ Sie sagten: „Es ist uns ein Boot avisiert worden, aber wir wußten nicht, wer drin ist. Aber wenn du dabei bist, dann kann sie auch durch, das ist okay.“ („Sie“ war ich.) An dieser Stelle sah sie übrigens ein bißchen so aus wie Nayoma. Schon merkwürdig.

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Dann fuhren wir durch das Tor, drinnen war ein Opfertisch aus Stein in einem dunklen Raum, dahinter ging eine Tür in einen hell erleuchteten Raum.  Ich sagte: „Aha, ich soll also wohl geopfert werden , alles klar.“ Irgendwie war mir davor gar nicht bange. Dann kam eine alte Frau, das war die Erdmutter. Sie sagte: “Ja, du sollst sterben und wiederauferstehen. Aber zuerst sollst du noch duschen.“ Schon wieder duschen! Ich sagte: „Ja, wie die Juden in den KZs, denen hat man auch gesagt, es ginge unter die Dusche.“ Sie meinte: „Ja, so ähnlich.“ Darauf meinte ich: „Bloß die haben dann ja gar nicht geduscht, bei denen kam ja gleich das Gas aus den Duschhähnen. Sie  haben nicht erst geduscht und sind dann gestorben, sondern die Dusche war der Tod für sie.“ Sie meinte, sie würde es ja gut finden, daß ich es mit Humor sehe.

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Dann ging ich in den hell erleuchteten Raum, da war der Duschraum. Seltsamerweise war der ziemlich groß, aber nur in einer Ecke stand eine kleine Duschkabine. Es waren so Badewärter da, die gaben mir Handtücher. Ich sagte zu ihnen: „Kann ich bitte alleine duschen?“ Ich wollte, daß sie weggehen. Darauf guckte der eine den anderen an und meinte: „Na, den letzten Wunsch können wir ihr wohl schlecht abschlagen, was?“  Darauf gingen sie dann, und ich ging ganz fröhlich unter die Dusche. Als ich fertig war, setzte ich mich auf die Kante der Duschkabine und begann mich einzucremen. Auf einmal steckten von rechts und links viele Leute ihren Kopf durch die Türen. Darauf wurde ich richtig wütend und sagte: „Ich hab gesagt, ich will allein duschen! Ich bin noch nicht fertig! Los, raus hier!“ Sie waren ziemlich erschrocken und zogen sich zurück  Ach so, ja, der Körper meinte noch zu mir, wozu eigentlich eincremen, wir sterben doch sowieso, das lohnt sich doch gar nicht mehr. Aber ich meinte zu ihm: „Wenn wir jetzt schon von hier Abschied nehmen, können wir es wenigstens noch mal richtig genießen.“ Nach dem Motto von Reality Nirvana: „If you’re going to do something unpleasant, you might as well do it with style.“ [Wenn man schon etwas Unangenehmes tun muß, kann  man es wenigstens mit Stil tun – ein Zitat aus Fabulous Nobodies von Lee Tulloch.]

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Als ich mit Eincremen fertig war, kamen die zwei Typen mich abholen, um mich zum Opfertisch zu führen. Ich fragte, ob ich mich noch anziehen könnte? Sie meinten: „Nein, du gehst nackt auf den Opfertisch.“ Aha. Na schön. Ich legte mich darauf, und dann kam die Erdmutter und zerhackte mich in viele Teile, was aber merkwürdigerweise gar nicht wehtat. Zuerst hackte sie mir den Kopf ab, er fiel hinten vom Tisch runter. Dann die Beine an den Hüften, an den Knien, an den Fußgelenken und an den Zehen, genau dasselbe dann noch mal an den Armen, der Rumpf wurde am Nabel und unterhalb der Brüste zerteilt und der Kopf noch mal in der Mitte durchgehackt. Das Becken eventuell auch? Das weiß ich nicht mehr so genau.

Dann kamen eine Menge kleiner Raben, die Gehilfen der Erdmutter, um meine Teile aufzusammeln. Nach rechts ging eine Tür ab, dort war ein kleiner heller gemütlicher Raum mit einer Liege, das war der Rekonvaleszenzraum. Die Raben sollten meine Teile wieder richtigrum zusammensetzen, stellten sich dabei aber ziemlich dämlich an, da sie rechts und links nicht auseinanderhalten konnten. Erdmutter kam und schimpfte: „Alle wichtigen Sachen  muß man selber machen, wenn man will, daß sie ordentlich gemacht werden!“ Sie nahm dann die Teile von den Raben und setzte sie richtigrum zusammen. Komischerweise kam dabei eine ganz neue Frau heraus, mit viel längeren Gliedmaßen, einem ovalen Gesicht, glatten langen schwarzen Haaren, die zu Zöpfen mit Perlen drin geflochten waren. Sie war ziemlich schön und sah sehr unschuldig aus – sie war ja auch gerade erst geboren worden sozusagen. Sie sah aus wie eine ägyptische Priesterin oder Göttin oder Pharaonin oder sowas. Jedenfalls ägyptisch. Ein bißchen was von Cher hatte sie auch. Ägyptisch-indianisch anscheinend.  [Das hat mich damals iemlich gewundert, da ich mit dem alten Ägypten noch nie was am Hut hatte. Seltsamerweise hab ich gerade dieses Jahr angefangen, Bücher über Ägypten zu lesen, z.B. Sekhet-a-ra, Tochter des Pharao von Joan Grant, Einweihung von Elisabeth Haich und die Smaragdtafeln von Thoth dem Atlanter, worin es auch viel um Ägypten geht. Die Nofretete- und Tut-ankh-amun-Ausstellungen hab ich aber verpaßt … ;)]

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Dann  durfte ich mir Musik wünschen, und ich wünschte mir das japanische Lied von den Scorpions auf Tokyo Tapes. Die Erdmutter meinte, die meisten Leute würden sich ja Mozart oder Vangelis oder sowas wünschen. Aber sie legte die Scorpions für mich auf (Vinyl!). Als nächstes kam New Church von den Lords, und die Ägypterin wurde von dem Wunsch erfaßt zu tanzen und wollte schon von der Liege aufstehen. Aber die Erdmutter sagte: „Nein, das geht jetzt noch nicht, dein Körper muß erst zusammenheilen, das war sehr anstrengend für dich, du mußt dich jetzt ausruhen.  Vielleicht lege ich dir lieber etwas ruhigere Musik auf, damit du schlafen kannst.“ Darauf legte sie El Hadra auf, anscheinend konnte sie die Information über meine Lieblings-Mmusikstücke aus meinem Bewußtsein rauslesen. Die Ägypterin schlief ein, und die Erdmutter deckte zwei große Gazetücher über sie, ein weißes und ein rotes (weil ich meine Tage hatte). A propos Tage, man entdeckte vorher, als ich auf dem Opfertisch lag, daß ich meine Tage hatte, darauf fragten sie, ob man überhaupt die Zeremonie machen könnte, wenn ich meine Tage hätte. Die Antwort war, ja, es geht, die Zeremonie muß dann nur etwas anders gemacht werden, als wenn ich sie nicht hätte. Aber worin der Unterschied bestand, kam nicht raus. – Tja. Da liegt sie jetzt und schläft, und ich muß noch mal hingehen.

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Das Lied von den Scorpions mitsamt einer Übersetzung habe ich jetzt auf youtube gefunden:

Jetzt um Mitternacht steht der Mond ganz oben am Himmel.

Für wen scheint er so wie in der Vergangenheit?

Nichts ist jetzt mehr auf den Zinnen bis auf  etwas Efeu

Nichts ist zu hören als das Rascheln der Kiefernzweige im Sturm

Mond und Sterne am Himmel oben bleiben unverändert

Doch im irdischen Leben wechseln Höhen und Tiefen einander ab

Hängt der Mond dort, um diese Veränderungen widerzuspiegeln?

Ah! der mitternächtliche Mond über der Burgruine!

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Rauhnächte ’99 – Die Reisen zu Großmutter Bär

Veröffentlicht November 19, 2013 von Zarah

1991: Krafttierreisen im Sommercamp – Ein Ort am Rande der Welt

Im August 1991 nahm ich an einem indianisch inspirierten Sommercamp mit einer Reihe von Schwitzhütten teil. Jeden Morgen gab es eine Baummeditation, die uns auf das Thema der abendlichen Schwitzhütte vorbereitete, und wir lernten die Bedeutung der Himmelsrichtungen. Zwischendrin gab es auch noch Yogaübungen und andere Programmpunkte. An einem Nachmittag reisten wir zu unseren Krafttieren. Insgesamt waren es 5 Reisen. Man ging immer durch einen Gang oder eine Öffnung in die Erde hinein und kam dann in die Anderswelt. Dieser Gang nahm jedesmal eine andere Form an. Mal war es eine Höhle, die sich dann zu einem Gang verengte, mal war es ein Abflußrohr, das in die Kanalisation führte. Ich kam auch jedesmal in einer anderen Landschaft heraus – mal am Meeresstrand, mal im Amazonasdschungel, mal auf einer Steppe und, wie gesagt, einmal auch in der Kanalisation.

Doch wie erstaunt war ich, als es mir bei der letzten Reise aus dem Gang heraus schon von weitem violett entgegenleuchtete. “Was ist das denn?“ dachte ich verblüfft. Als ich dann hineinkam, sah ich, daß der ganze Gang rundherum von lauter Amethysten bewachsen war! Es war fast wie in einer Druse zu sein, nur daß eine Druse natürlich geschlossen ist und dieser Gang vorn und hinten offen war.

Als ich am anderen Ende herauskam, war dort nichts als eine Klippe, die in den Weltraum hineinragte und auf der ein kahler Baum stand. Ringsherum war nur schwarzer Weltraum und Sterne. Kein Tier weit und breit. Erst dachte ich, vielleicht sollten es ja die Amethyste sein – kein Tier diesmal, sondern Steine? Aber ich wollte doch noch weiter suchen und fing an, auf den Baum zu klettern. Etwas anderes blieb mir kaum übrig, denn die Klippe war ansonsten völlig leer. Ich kletterte und kletterte, sah aber immer noch nichts weiter als Sterne. Als die Lehrerin vorbeikam und mir das Krafttier einblasen wollte, sagte ich, ich sei noch nicht  zurück. Sie meinte: „Gut, dann komm ich später noch mal.“

Irgendwann war ich vom Klettern müde und dachte, hier finde ich doch nichts mehr. Dann machte ich mich auf den Rückweg. Als ich am Boden wieder ankam und vor dem Baum stand, lag darunter auf einmal ein Drache! Keiner mit Flügeln, sondern sowas wie eine Mischung aus Lindwurm und chinesischem Drachen, ein länglicher Drachenkörper mit 4 Füßen und schwarzen und silbernen Schuppen. Er hatte auch solche Schnurrhaare wie die chinesischen Drachen sie haben. Ich habe nie herausgefunden, ob er in der Zwischenzeit dort angekommen war, oder ob ich erst auf den Baum klettern mußte, um ihn sehen zu können. – Die Lehrerin hatte mich wohl inzwischen vergessen, so mußte ich sie rufen, um mir das Krafttier einblasen zu lassen.

Leider wurde uns dort nicht erklärt, wie man mit den Krafttieren dann weiter arbeiten sollte, und ich hatte zuwenig Ahnung, deshalb machte ich dann erstmal eine ganze Weile gar nichts mehr damit. Doch bei den Reisen, die ich bei Nayoma de Haëns schamanischen Abenden machte, tauchte der Amethystgang dann  wieder auf …

1999:  Schamanische Abende bei Nayoma de Haën

Im Herbst und Winter 1999 nahm ich an einigen schamanischen Abenden bei Nayoma de Haën teil, die eine Schülerin von Black Bear ist und auch einige Bücher über Schamanismus übersetzt hat. (Einen Artikel von ihr über Tiergeister gibt es hier.) Sie machte damals eine Reihe von Abenden zu weiblichen indianischen Archetypen (d.h. ich nenne es Archetypen, ich weiß jetzt nicht mehr, welches Wort sie dafür benutzt hat). Es gab für jede Himmelsrichtung eine Gestalt. Großmutter Bär war im Westen und war die große Heilerin (das in dem obigen Artikel zitierte Lied hat sie an dem Abend über die Bärin gesungen). Dann gab es z.B. noch die Muschelfrau, die mit dem Meer, den Gefühlen, der Weiblichkeit und dem Mond verbunden war.  Da es sich ja um weibliche Archetypen handelte, sollte man sich durch die Gebärmutter zu ihnen begeben. – Ab hier folgen jetzt meine Tagebuchaufzeichnungen. Spätere Anmerkungen, Ergänzungen und Auslassungen habe ich in eckige Klammern gesetzt.

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Großmutter Bärs Einladung zu den Rauhnächten

16.12.1999

(Das folgende  ist das, was ich bei Nayomas Abend über Großmutter Bär erlebte. Ich hab dazu noch weitere Aufzeichnungen, füge hier aber nur meine eigene Erfahrung ein.)

 Ich war […] mit der Bärin in dem Amethystgang und sollte die Amethyste bitten, ob sie was für mich tun wollen, und sie sagten: „Gern! Wir haben schon seit dem letztenmal gewartet, daß du noch mal kommst und das fragst, aber du bist nie gekommen.“ Es war mir wohl nicht ganz klar, daß man da noch mal wieder hingehen kann. Auf jeden Fall spürte ich dann was in meinem Hinterkopf (links) kribbeln und warm werden, und jetzt hab ich endlich mal so eine Verbindung dazu gesehen:

  •  Amethystgang: Zirbeldrüse etc.
  • Drache: bewacht das 3. Auge
  • Baum: Verbindung zum Universum und zur Erde, teilweise mit der Wirbelsäule identisch, geht aber darüber hinaus. Ich dachte ja schon, daß der Baum der schamanische „Lebensbaum“ ist, aber ich wußte damals mit der ganzen Gehirnphysiologie und den Drüsen noch nicht so Bescheid, das hab ich ja erst bei Omron gelernt.

 Die Große Bärin hatte noch zum Abschied zu mir gesagt, ich wüßte doch, daß Hell und Dunkel zusammengehören, Aspekte voneinander sind gewissermaßen. Ich war ein brauner Bär und sie war weiß, und wir rollten uns dann zu einer Kugel zusammen, die wie ein Yin-Yang-Symbol aussah.

Zum Schluß sagte Nayoma, Großmutter Bär hätte durchgegeben, daß man in den 12 Rauhnächten zwischen 1999 und 2000 zu ihr kommen und sich auf den neuen Traum der Erde einstimmen lassen kann. Sozusagen die Vorbereitung auf das neue Zeitalter. [Damals war es ja noch das Jahr 2000, auf das alle warteten, und nicht 2012. ;)]

Rauhnächte 1999 – Die Reisen zu Großmutter Bär

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Bär, Drache & Batman – Eine etwas danebengegangene Reise

24.12.1999

Reise zu Großmutter Bär voll in die Hose gegangen, jedenfalls meiner Wahrnehmung nach. Ich war so alle & müde gestern […], habe krampfhaft versucht, mich wachzuhalten, damit ich nicht die 1. Rauhnacht verpenne, und kriegte es schließlich um 3 Uhr nachts geregelt, ins kleine Zimmer [meinen Meditationsraum] zu gehen, aber bloß mit dem Effekt, daß mir der Rücken tierisch anfing wehzutun und ich mich hinlegte und daraufhin weggedriftet bin. Um halb 6 bin ich dann in mein Bett gegangen, um wenigstens noch ein bißchen richtigen Schlaf zu kriegen.

Als ich versuchte [zu Großmutter Bär] hinzugehen, kriegte ich nur lauter Bilder von Drachen und Batman, ausgerechnet, und die Information, das [Bär und Drache] sei die gleiche Energie, bloß daß nun mal die Indianer keine Drachen kennen und sie deshalb als Bären wahrnehmen. Dann wieder dieses Ding, daß ich den Drachen bzw. die Bärin im 3. Auge sitzen habe und mir deshalb diese Energie bei dem Abend mit Nayoma so bekannt vorkam, das hätte schon seine Richtigkeit.

Dann wußte ich irgendwie nicht mehr, soll ich nun durch die Gebärmutter hingehen, wegen dieser Weiblichkeitsgeschichten (wozu sonst gestern die ganze Aktivierung der Gebärmutter etc.?) oder  durchs 3. Auge, und dann wurde ich immer verwirrter, da es ja doch eine weibliche Energie sein sollte, und ein Drache beides ist und Batman definitiv männlich.

Bei Batman wußte ich auch nicht so recht, ob das jetzt eine Falle sein soll, daß er von irgendwelchen ganz anderen Wesen geschickt worden war. Er war mir irgendwie zu ähnlich, zu menschlich, bloß mit dieser Maske. Jedenfalls klappte das alles irgendwie nicht so richtig, und ich war auch so müde und habe es dann irgendwann abgebrochen, weil ich merkte, daß es keinen Sinn hat. Ich kann nur hoffen, daß Großmutter Bär den guten Willen für die Tat genommen hat, ich habe es wenigstens versucht, aber in so einem Zustand bringt es irgendwie nicht viel.

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Sternengefunkel – Die ursprüngliche Form annehmen

28.12.1999

Um halb 4 morgens bin ich dann zu Großmutter Bär […] ich glaube, diesmal hab ich die Reise endlich mal richtig hingekriegt. Bei der Frage: Gebärmutter oder 3. Auge? hieß es erstmal, das Erschaffen mittels des Geistes und das biologische Erschaffen seien im Prinzip dieselbe Sache, es gebe da keinen grundlegenden Unterschied, ob man eine Idee erschafft / gebiert, oder ob man etwas Physisches erscvhafft bzw. gebiert. Und es gebe einen geheimen Gang zwischen der Gebärmutter und dem 3. Auge / Amethystgang etc. Den ging ich dann lang, und es war ziemlich dunkel. Die Wände um mich herum lebten, ich fühlte, wie sie pulsierten, aber sehen konnte ich nichts. Dann sah ich das Leuchten der Amethyste, und da war auch schon die Klippe mit meinem Baum und dem Drachen darunter. Ich kletterte auf den Baum und bat Großmutter Bär, zu erscheinen und mich in Harmonie mit dem neuen Traum der Erde zu bringen. Sie erschien mir als das Sternbild der Großen Bärin, und das Sternenlicht ergoß sich in meinen Körper. Ziemlich abgefahrenes Gefühl. Also der neue Traum der Erde scheint was mit Sternenlicht zu tun zu haben, dachte ich so bei mir.

Dann kam sie noch mal als die physische Bärin und meinte auch noch mal, das sei dasselbe, ob man nun ein Sternbild ist oder eine physische Form, die Energie sei im Grunde die gleiche. Dann saßen wir um ein kleines Feuer, der Drache, die Bärin, der Baum und ich., und drüben [im Gang] auch noch die Kristalle, und die Bärin sagte zu mir: „So, jetzt bist du eine von uns.“ Ich sagte: „Was?“ Sie sagte: „Eine Urenergie. Ein Archetyp. Das wolltest du doch immer sein, oder?“ Das hatte ich auch mal gewollt, aber das war schon ziemlich lange her, und ich war mir gar nicht mehr so sicher, ob ich das eigentlich immer noch wollte. Als ich fragte, was ich denn dann eigentlich jetzt genau sei, sagte sie etwas, aber ich konnte es nicht richtig hören. Sie meinte: „Das ist es nämlich, du könntest es eigentlich wissen, aber du kannst es nicht reinlassen. Du bist jetzt eine Sternenkonstellation.“ Ich sagte: „Was bin ich?“ „Eine Sternenkonstellation.“

Dann sagte sie das noch mal, daß man eine Sternenkonstellation sein und trotzdem inkarniert sein kann, man würde eben in verschiedenen Formen erscheinen. Sie sei ja auch eine Sternenkonstellation am Himmel und erscheine trotzdem auch in Form einer physischen Bärin. Und der Drache sei übrigens auch ein Sternbild. Der Drache grinste bestätigend. „Früher haben die Leute das gewußt, daß Menschen zu Sternbildern werden können, es gibt Geschichten darüber, z.B. wie die Plejaden zu einem Sternbild wurden, aber irgendwann hielten die Menschen das dann nur noch für Geschichten, und Mythologie, sie haben es dann nur noch symbolisch verstanden und nicht mehr ernst genommen.“ Und was für eine Art Konstellation oder Energie ich bin, das müßte ich jetzt  noch rausfinden bzw. reinlassen.

Ich glaube, ich fühle es schon. Die Karten helfen mir dabei, mich damit zu verbinden. Ich hatte heute morgen Bilder von allen möglichen Manifestationen – Berge, Erde, Bäume, Tiere, mein eigener Körper – und konnte sehen, daß sie alle aus einer einzigen Energie geformt sind. Man kann die Formen immer wechseln, selbst solche, die ewig aussehen, wie Berge. Man kann aus einer einzigen Energie unendlich viele unterschiedliche Formen erschaffen, wie Knetmasse, bloß viel feiner und vielseitiger. Auch seinen eigenen Körper kann man aus dieser Energie neu erschaffen, und darum geht es jetzt. Es hieß, ich würde meine „eigentliche“ oder „ursprüngliche“ Form wieder annehmen. Ich fragte: „Wenn man doch aber jegliche Form erschaffen kann, wieso soll dann eine davon die „eigentliche“ sein? Eigentlich  ist es doch nur die Essenz, die Bestand hat, und die Formen wechseln?“ Kriegte zur Antwort: „Soweit schon richtig, aber es gibt eine Form, die deine grundlegende Essenz auf optimale Weise zum Ausdruck bringt, und das ist die Gestalt, die du jetzt annimmst.“

 Wenn ich’s mir so von „außen“ betrachte, aus der Perspektive eines großen Teils meiner Mitmenschen, würden die wahrscheinlich denken, ich bin jetzt total durchgeknallt und in Wahnvorstellungen verstrickt. Aber um diesen Standpunkt einzunehmen,  muß ich mich jetzt schon ziemlich anstrengen. Von innen fühlt es sich für mich alles total richtig an. Selbst wenn ich dabei bin, wahnsinnig zu werden, aber ich kann jetzt nicht anders, als diesen Weg weiterzugehen und mich total darauf einzulassen, ich kann nicht diesen Weg gehen und gleichzeitig die alte Sichtweise aufrechterhalten, ich muß mich jetzt entscheiden und ich denke, ich habe mich entschieden. Und ich hab das Gefühl, daß ich total viel Hilfe und Unterstützung aus allen möglichen Richtungen dafür kriege, und ich nehme sie dankbar an. Mega thanx auch noch mal auf diesem Weg an Großmutter Bär. Und alle meine Verwandten, die mich lieben. 😉

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Nicht alle Energien sind kompatibel

30.12. 1999

 [Am Abend vorher war ich bei einer Verankerung der Mahatma-Energie gewesen.]

 Kam gestern zu Großmutter Bär, sie wartete schon auf mich und war ganz vorwurfsvoll: „Was hast du gemacht? Ich habe ihn hier im Koma vorgefunden!“ (den Drachen) Ich erzählte es ihr, sie meinte, ja, die Mahatma-Energie sei schon eine sehr hohe Energie, aber eine verdammt einseitige, nämlich Licht ohne integrierte Dunkelheit. „Und das, wo bei dir alles schon so schön ausbalanciert war! Wir hatten doch so gut zusammen schon gearbeitet, warum mußtest du denn da hingehen?“ Tja, ich kann nur sagen, es schien mir zu dem Zeitpunkt eine gute Idee zu sein. Wir waren auch genau 12 Leute, ohne mich wären es bloß 11 gewesen, und das muß doch auch was zu bedeuten haben. Sie hat mir dann auf jeden Fall noch mal ausgleichende Energie geschickt, um das Ganze wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

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Kristallarbeit, Spiralen und das Energierad

2.1.2000

Heute morgen um 5 bin ich zu Großmutter Bär, aber vorher hab ich mich noch ein bißchen auf meine Kristalle eingestimmt, besonders auf den neuen Laser, der wollte unbedingt mit rüber. Bevor ich anfing, wollte er von mir, daß ich ihn mit der Wurzel auf mein Hara richte und dann einen weißen Energiestrahl visualisiere, der von der Spitze des Kristalls durch die Wurzel in mein hara läuft, und von da aus in den Kern der Erde. Das hab ich gemacht,  irgendwann war es kein gerader Strahl mehr, sondern Spiralen.

Als ich dann in meine Gebärmutter kam, war sie total strahlend hell erleuchtet. Der Gang [zwischen der Gebärmutter und dem 3. Auge] war noch ein bißchen dunkel, aber die Amethyste strahlten auch nur so, und dahinter war ein kreisförmiger Feuerring, so ein rotgold-feuriges Licht, das sich drehte. Großmutter Bär sagte, das sei das Energierad, und ich soll mich mal reinstellen. Das tat ich, einmal in alle vier Himmelsrichtungen, und danach ging es aus und fiel als Metallscheibe zu Boden. Ich war ein bißchen enttäuscht, daß es nun doch Metall war und nicht reine Energie, wie ich angenommen  hatte, und fand, daß es ein bißchen nach gar nichts aussah. Großmutter Bär meinte, ja, es ist schon Technologie, aber eine ganz besondere Technologie. Dann bat ich noch mal um Unterstützung wegen der Erneuerung der Zähne & des Körpers, darauf schickte sie mir auch noch mal eine Energie durch das Kronenchakra, und ich durfte mich an den Baum anlehnen, weil ich schon so schlapp war. Dabei fiel mir auf, daß der Drache gar nicht da war. „Wo ist denn eigentlich der Drache?“ sagte ich zu ihr. Sie meinte: „Der ist jetzt in dir, das verändert sich jetzt alles. Eigentlich brauchst du nach heute auch gar nicht mehr zu kommen. Du kannst natürlich, wenn du willst, aber mach dir keine Gedanken, wenn du es nicht schaffst, du bist jetzt eigentlich schon vorbereitet.“ Dann meinte sie, ich soll mal besser jetzt gehen, damit ich noch den Rückweg schaffe, weil ich schon so müde war. Als ich rauskam, war es schon 7 Uhr morgens. War ich 2 Stunden drin gewesen.

Die weiteren Reisen  und Erfahrungen aus diesen Rauhnächten und -tagen folgen demnächst …

Die Reise mit dem Fuchs

Veröffentlicht November 12, 2013 von Zarah

So viele neue Abenteuer hab ich inzwischen erlebt, und dabei hab ich immer noch nicht darüber geschrieben, wie unsere schönen Linden gefällt wurden und wie ich das erlebt habe. Bei der letzten Fällung war ich dabei, und es war, als würde mir das Herz aus dem Leib gerissen. Aber das ist eine Geschichte für ein andermal …

Jetzt bin ich gerade frisch zurück aus Tribal Mirrors, einem 4-tägigen 5-Rhythmen -Workshop, bei dem es um heiliges Theater geht – darum, unsere Ego-Charaktere aus dem Schrank zu holen und sie auf eine Bühne zu stellen. Es waren vier Tage voller wundersamer Begegnungen, schöner Überraschungen, und der unterschiedlichster Tänze. Wir haben zusammen geschwitzt, gelacht, geweint und gefeiert und unsere Körper und all unsere Gefühle einfach da sein lassen. Es waren über 70 Leute aus 17 verschiedenen Ländern, jede/r einzelne ein Spiegel für das Selbst. Ich kann noch gar nicht wirklich in Worte fassen, was ich da erlebt habe. Gestern brauchte ich dann erstmal sehr viel Ruhe und eine lange Session in der Badewanne. Aber heute wachte ich auf, sah die Sonne scheinen und war sofort glücklich und begeistert über den Tag. Das ist mir schon echt lange beim Aufwachen nicht mehr passiert. Seitdem fühl ich ein Gefühl in meinem Herzen, so sanft und schön … es fühlt sich ganz neu an, als würde etwas Neues gerade anfangen.

Doch jetzt erstmal zu etwas Altem. 😉 Seit diesem Frühjahr nehme ich an der Fern-Einweihung in die 12 göttlichen Strahlen von Sternenkraft teil. Dabei  habe ich schon die unterschiedlichsten Erfahrungen gemacht, manchmal hab ich auch gar nicht viel gemerkt. Am 3. November, dem Tag der Sonnenfinsternis und des Neumonds im Skorpion, fand dann die Initiation in den Weißen Strahl statt.  Und als „eigentlich“ alles schon vorbei war, ging es für  mich erst so richtig  los … es entfaltete sich eine schamanische Reise, die anknüpfte an andere Reisen und Träume von mir, die schon viele Jahre her sind.

Um ein bißchen die Kontinuität herzustellen, werde ich diese „alten“ Geschichten zuerst posten und zum Schluß dann das, was ich jetzt bei der Einweihung erlebt habe.

Fuchs im Gras

Fuchs im Gras

Die Reise mit dem Fuchs

Diese Reise ist inzwischen fast 20 Jahre her. Damals machte ich öfters eine Übung aus der Psychosynthese, bei der man einen Charakterzug, mit dem man Schwierigkeiten  hat oder den man tiefer erforschen will, als eine Gestalt sieht, mit der man sich unterhalten kann. Und zu der Zeit war es mir „passiert“, daß ich verschiedenen Leuten diverse Dinge versprochen und dann selber sabotiert hatte, daß daraus etwas wurde. Oberflächlich gesehen tat mir das leid und war mir auch peinlich, aber ich fühlte, wie innerlich irgendwas sich schadenfroh die Hände rieb. Das wunderte mich, und so beschloß ich, mit dem Ursprung dieser Schadenfreude Kontakt aufzunehmen. Hier folgt jetzt meine Tagebuch-Aufzeichnung. (Man beachte das Datum – es war genau zur Herbst-Tagundnachtgleiche.)

21.9.94

Der Trickster

Habe heute den Ursprung der Schadenfreude kennengelernt. Er erschien zuerst als Dämon, dann als Hase und zuletzt verwandelte er sich in einen Fuchs und blieb auch so. Stellte sich als Trickster vor, meinte, daß dieses ganze Guter-Mensch-Sein-Wollen von mir ziemlich hohl und pathetisch wäre und daß es viel mehr Spaß machen würde, Leuten, die anfangen, pathetisch und salbungsvoll zu werden, eins auszuwischen. „Weißt du noch, was es für nen Spaß gemacht hat, damals , als wir den Göttern die Knochen verpaßt haben? Mann, waren die sauer. Und als wir für die Menschen das Feuer geklaut haben? Die waren so arrogant, sie dachten, nur sie allein hätten ein Anrecht auf das Licht.“

Er/ich erinnerte mich an eine Stelle im Steppenwolf [von Hermann Hesse], wo auch das mühsam aufgebaute Pseudo-Selbst von Harry Haller in tausend Stücke geht und er zum erstenmal erkennt, wie pathetisch und hohl seine ganze moralische Entrüstung die ganze Zeit gewesen ist. „Und du bist genauso“, sagte der Fuchs. „Ich hab das nicht gemacht, um den anderen Leuten eins auszuwischen, sondern dem Teil von dir, der sich selber immer nur als gut und weise und selbstlos / hilfreich sehen will. Wenn du überhaupt irgendwie weiterkommen willst, mußt du lernen, dich selbst nicht mehr so teuflisch ernst zu nehmen.“ Steppenwolf: „Aller höhere Humor fängt damit an, daß man die eigene Person nicht mehr ernst nimmt.“ Golas: „Wir können schließlich alle diese albernen Spiele mit sehr viel mehr Vergnügen spielen, wenn wir uns gewahr sind, was wir wirklich tun.“ Das Steppenwolf-Zitat hatte ich damals schon unterstrichen. Der Fuchs meinte: „Siehst du, das hast du mit achtzehn schon gewußt. Wie ist es dir gelungen, es so lange zu vergessen?“ Ich meinte ,ich hätte es eigentlich nicht so sehr gewußt, sondern anerkannt, daß es wichtig war, aber ich war auch damals schon nicht in der Lage, es in die Praxis umzusetzen.

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Der Verlust der Unschuld

Der Fuchs meinte: „Komm mit, ich muß dir noch was zeigen.“ Dann war ich auch ein Fuchs, und wir trabten einen Hügel hinauf. Auf der anderen Seite war eine Schafherde. Wir griffen ein Schaf an, rissen es und fraßen es auf. (Füchse reißen zwar eigentlich normal keine Schafe, aber das war egal.) „So, jetzt bist du eingeweiht“, sagte er. „Du weißt jetzt, daß du andere Wesen verletzen, Blut vergießen und auch trinken kannst. Schafe sind so dämlich!“

„Aber auch unschuldig“, wandte ich ein.

„Na, aber du siehst ja, daß sie ihre Unschuld teuer bezahlen: sie sind so dumm, daß sie nicht merken, wenn Gefahr droht, und lassen sich einfach auffressen.“

Die typische Opferlammhaltung: sie ließen sich lieber auffressen, als sich ein Wissen darüber zu erwerben, daß es in der Welt auch Bösartigkeit und Gefahr gab, bloß um ihre Unschuld zu bewahren. Jetzt hatte ich meine eigene Unschuld getötet und aufgefressen und hoffte nur, daß ich in der Lage sein würde, sie einigermaßen zu verdauen.

Dann trabten wir durch den Wald. „Das ist der Wald. Er ist dunkel, aber das ist okay“, sagte der Fuchs. Eine Eule kam von oben auf uns runtergeschossen. Der Fuchs zeigte mir den Weg in einen engen Bau, wo sie nicht hinterherkonnte. „Aber ist das nicht feige?“ fragte ich ihn. „Manchmal muß man abhauen, sonst ist man geliefert“, sagte er.

Shapeshifting – Die Reise durch die 4 Elemente

Dann kamen wir aus dem Wald und trabten einen anderen Hügel hinauf, auf dessen Spitze ein großes schwarzes Kreuz stand. „Erinnerst du dich an Krabat?“ sagte er. „Sowas Ähnliches machen wir jetzt auch.“ Er stopfte eine längliche Pfeife (so ähnlich wie die, die M. hat, aber irgendwie auch wie das Opiumpfeifchen von Pablo im Steppenwolf) und reichte sie mir. Ich zog daran, dann rauchte er daraus, und wir tauchten beide ins Innere der Erde. Durch die Anspielung auf Krabat und Steppenwolf wußte ich, daß es eine Astralreise war und daß unsere Körper weiterhin unter dem Kreuz waren. Wir bewegten uns durch die Erde, als würden wir schwimmen. Dann tauchten wir in wirkliches, unterirdisches Wasser, tauchten wir durch ein Meer nach oben und kamen als Mensch und Dämon oben wieder raus. Wurden eine Weile durch die Luft gebeutelt, damit wir trocken wurden.

Danach war das Feuer dran. Wir sahen von weitem einen Vulkan. „Na, welches Wesen kann Feuer aushalten?“ fragte er mich grinsend. Ich dachte sofort an einen Drachen. Er meinte: „Godzilla auch.“ (Ich hatte mal mit M. einen Godzillafilm gesehen, wo er am Schluß in einem Vulkan begraben wird von Erdmassen. Aber er lebt weiter, weil es nichts gibt, was ihn umbringen kann, weder Feuer noch Wasser noch Gift oder Waffen oder sonst irgendwas.) „Also ich such mir jedenfalls Godzilla aus, aber wenn du lieber einen chinesischen Drachen willst, auch okay“, meinte er, und wir tauchten in dieser Gestalt in de Vulkan. Wir gingen durch das Feuer, schwammen dann durchs Meer als Fische, gruben uns durch die Erde als Maulwürfe.

„Na, was fehlt jetzt noch?“ fragte er mich. Wind fehlte. Auf einmal waren wir auf einer hohen Bergspitze, um die die Winde brausten. Wir verwandelten uns in Adler und ließen uns vom Wind tragen. Er grinste, weil er sah, daß ich die Lektion begriffen hatte: Man war nicht an eine Form gebunden, sondern konnte jegliche Form wählen, die der Situation gerade angemessen war. Als Füchse hätten wir das Feuer nicht überlebt, deshalb hatte ich auch erst ein bißchen Angst. Den Stürmen war ein schwerer Säugetierkörper nicht gewachsen, man brauchte einen leichten Körper mit Flügeln.

„Es ist nicht illoyal oder was“, sagte er. „Du mußt nicht immer einer Form treu bleiben. Du selbst bleibst immer gleich, egal, wie du gerade von außen aussiehst. Wenn du dir selber treu bleibst, kannst du jede Form annehmen, die du willst, und brauchst keine Angst zu haben, daß du auf einmal nicht mehr da bist. Die Form ist nur zeitweilig, von der Situation bestimmt. Wenn die Situation sich ändert, nimmst du eine neue Form an. Es macht Spaß, du wirst sehen. Es ist kein Täuschungsmanöver, bloß Pragmatismus. Du kannst immer wieder zu dir selbst zurückkehren.“

Das Flügelrad

Dann waren wir wieder zurück auf dem Hügel, auf dem das Kreuz stand. Hinter dem Kreuz erhob sich jetzt ein großer Kreis mit einem Punkt in der Mitte, der aber nicht fest war, wie das Kreuz, sondern aus flimmernder Luft zu bestehen schien. Er vereinigte sich mit dem Kreuz zu einem Rad, und dem Rad wuchsen Flügel. (Ich dachte noch: „Komisch, daß in meinen Geschichten immer Flügel vorkommen.“) Wir setzen uns darauf und flogen damit über den Wald hinweg und landeten in einer kreisförmigen Vertiefung, die aussah wie das Rad (genauso groß). Wir reichten uns die Hände. „Dies hat nichts mit Sex zu tun“, sagte er, „nur mit dem Körper. Du kannst alles überleben, wenn du das kapierst.“

Dann kam mir noch der Gedanke, daß ja das Pathos auch was mit meinem Bedürfnis nach Heldentum zu tun haben könnte, und ich dachte, man könnte ja auch gleich noch eine Reise mit dem Helden unternehmen. Er erschien auch, meinte aber: „Mach jetzt nichts mehr, lies erstmal weiter. Ich verstehe mich übrigens ganz gut mit dem Fuchs.“ Dann sah ich sie beide zusammen Schach spielen. Der Fuchs zog eine Figur und sagte: „Schach matt!“ Der Held fluchte gutmütig grinsend: „Scheiße, schon wieder verloren!“ Dann drehten sie das Brett um und begannen ein neues Spiel. Ich ließ sie dabei und las das Kapitel weiter. Es handelte davon, daß man seine sozialen Rollen als Masken durchschaut und aufhört, sich damit zu identifizieren – der Eintritt ins Kehlchakra. Daß man zum „Meister der Verwandlungen“ wird, wenn man merkt, daß keine dieser Masken man selber ist. Etc.

Was dann – trotz fast 20 dazwischenliegenden Jahren – wieder nahtlos überleitet zur Erfahrung der Tribal Mirrors

redfox_Snow_Wandering