Das fantastische Hotel in Neukölln

Veröffentlicht August 25, 2015 von Zarah

Follow the Music

Am Samstag erlebte ich mal wieder, was alles passieren kann, wenn man den Synchronizitäten folgt. Ich hatte bei Stillpoint Spaces, einer in Neukölln beheimateten experimentellen psychoanalytischen Gemeinschaftspraxis, an einer Veranstaltung über C.G. Jungs Traumarbeit teilgenommen. Alle ihre Veranstaltungen finden auf Englisch statt, denn die Leute kommen aus allen möglichen Ländern, und Englisch ist die Sprache, die die meisten können. Bei einem der Träume, die während des Vortrags besprochen wurden, ging es darum, daß eine Frau träumte, Musik zu hören, und dieser Musik nachging.. Daraus entfaltete sich dann die weitere Handlung.

Als ich nach der Veranstaltung unten in den Hof kam, sah ich rechts von mir wundervolle Blüten und hörte eine Musik … und dachte mir, warum sollte ich nicht auch dieser Musik nachgehen, wie die Frau in dem Traum es getan hatte? Die Klänge kamen aus einem Raum, der ein Café zu sein schien. Dahinter war ein wunderbar eingerichteter Hofgarten. Am Hintereingang des Cafés gab es mehrere Flyerständer mit Infos über Konzerte, Theater und andere Events.

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Ich nahm ein paar davon mit und wollte gerade wieder gehen, als plötzlich ein Typ vor mir stand und fragte: „Kann man dir irgendwie helfen?“ Da ich durch zwei Stunden bei Stillpoint Spaces immer noch auf Englisch eingestellt war, sagte ich zu ihm: „What is this place?“ Er schaltete sofort auf Englisch um und meinte: „Eigentlich sind wir ein Hotel. Hinten haben wir die Räume zum Übernachten. Wenn du willst, kann ich dir gern alles zeigen.“ Klar, warum nicht? Wenn man das schon so freundlich angeboten bekommt …

Ein Raum aus einer anderen Welt

Er geleitete mich durch den wuchernden Garten und schloß eine Tür auf … als ich eintrat, hatte ich wirklich das Gefühl, in einem Traum zu sein. Ich befand mich in einem riesigen Raum mit drei antik wirkenden Wohnwagen und einer selbstgezimmerten hölzernen „Berghütte“. Daneben gab es einen großväterlichen, mit entsprechenden altertümlichen Porträts behangenen Schrank, einen altmodischen Plattenspieler und ein noch altmodischeres Radio.  In jedem Wohnwagen gab es zwei Betten. „Sie sind so lang, wie es eben in den Wohnwagen paßt“, meinte mein Fremdenführer. „Von 1,76 bis 1,90 m so ungefähr.“

Mir war zumute, als hätte sich plötzlich eine Tür geöffnet und ich wäre in einem Paralleluniversum gelandet. „Ja“, meinte mein freundlicher Guide,  „die zwei Frauen, die das erschaffen haben, sind auch wirklich sehr besondere Menschen. Sie haben nicht nur Visionen, sie können auch arbeiten. Das muß man auch können, wenn man so etwas auf die Beine stellen will.“

Es funktioniert nur, wenn man aufeinander achtet

„Und alle Leute, die hier ein Bett buchen, teilen sich dann den großen Raum, oder wie?“ wollte ich wissen. „Naja“, meinte er, „wenn es größere Gruppen sind, sollten sie den ganzen Raum buchen, denn wenn dann einzelne Leute dort wohnen, die nicht dazugehören, fühlen die sich sonst ausgeschlossen und das wäre nicht so gut.“

„Aber wenn es z.B. drei Paare sind, dann teilen sie sich den großen Raum? Was passiert denn, wenn die einen abends Party machen wollen und die anderen wollen schlafen?“ fragte ich, eingedenk meiner Youth-Hostel-Erfahrungen in Amsterdam, wo ich praktisch die ganze Nacht nicht richtig zum Schlafen gekommen war.

„Man muß natürlich schon gegenseitig aufeinander achten, das gehört dazu“ meinte er. „Anders funktioniert es nicht.“

„Was kostet denn so eine Übernachtung?“ fragte ich neugierig. „Es ist schon ziemlich teuer“, sagte er. „Jetzt in der Hochsaison kostet ein Wagen 90€, außerhalb der Saison 70€.“

„Ah, aber wenn man sich einen Wagen teilt, zahlt jeder nur die Hälfte“, meinte ich. „Ich werde es weiter empfehlen, falls mich mal jemand nach Übernachtungen in Berlin fragt.“

„Ach, Zulauf haben wir genug“, meinte er. „Es liegt zwar ein bißchen versteckt, aber als wir eröffnet haben, war es im Fernsehen. Ist ja schon was Besonderes. Zuviel Andrang sollte es auch nicht werden, damit alles noch entspannt bleibt. Wobei es eigentlich meistens recht entspannt ist, da die meisten Leute tagsüber sowieso unterwegs sind, um sich Berlin anzusehen.“

Natürlich fragte ich ihn, ob ich Bilder machen dürfte. „Ja klar, mach ruhig“, meinte er. Hier sind sie – aber ihr müßt euch den Raum im Ganzen vorstellen. Leider hab ich keine Kamera, mit der man den gesamten Raum einfangen kann. Ihr findet aber solche Bilder und weitere Infos auf http://www.huettenpalast.de/hotel/).

Als wir wieder hinausgingen, meinte er freundlich, ich dürfe gerne noch weitere Fotos machen und mich in den Garten setzen, wenn ich wollte. Nach Rumsitzen war mir nicht so zumute, aber Bilder mußten sein. Der Garten ist einfach die Wucht, und laut den Infos auf der Homepage war dies früher mal ein trister grauer Hinterhof gewesen. Davon ist jetzt nichts mehr zu bemerken:

Und die Moral von der Geschicht` …

Ich hab daraus drei Sachen gelernt:

1. Hinter unscheinbaren Fassaden verbergen sich manchmal  erstaunliche Räume.

2. Wenn man der Musik und den Träumen folgt, kann man spannende Abenteuer erleben.

3. Und wenn man sich ein bißchen dahinterklemmt, kann man den tristesten Hinterhof in einen Paradiesgarten und einen Berliner Altbau-Innenraum in eine Space Shuttle verwandeln. 😉

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