Erdmutter

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Rauhnächte ’99: Die Reise mit der Gevatterin zur Erdmutter

Veröffentlicht November 22, 2013 von Zarah

Ich muß die Reisen und Ereignisse aus den Rauhnächten ein wenig aus dem chronologischen Zusammenhang reißen, da sonst die Beiträge zu lang werden, zumal es wohl sinnvoll ist, sie ein bißchen nach Themen zu ordnen. Die folgende Reise begab sich zwischen der danebengegangenen Reise zu Großmutter Bär und der ersten, die richtig klappte. Ich hatte mich wegen  heftiger Menstruationsschmerzen in die Badewanne gelegt, und mir fiel ein, daß ich ja die Muschelfrau um Hilfe bitten könnte, da Nayoma gesagt hatte, daß man das machen kann. Die Muschelfrau hat mit Weiblichkeit, mit dem Mond und dem Meer zu tun. Um mit ihr Kontakt aufzunehmen, stellt man sich an irgendein Gewässer und ruft nach ihr. Ich stellte mich also an ein Flußufer und rief sie. Bald legte ein Boot am Ufer an, um mich abzuholen – doch wer darin saß, war jemand völlig anderes. 😉

Viele Jahre später hatte ich einen Traum, in dem ich mit einer wunderschönen, schwarz gekleideten Frau mit sehr anmutigen Bewegungen auf einer Sandfläche einen Schwertkampf ausfocht. Da ich im Schwertfechten nicht wirklich geübt bin, war ich sehr stolz, daß es ihr nicht gelang, bei mir einen Treffer zu landen. Und auch in diesem Traum half mir die Erdmutter (in ihrer Gestalt als Planet Erde), am Leben zu bleiben. Seitdem habe ich herausgefunden, daß Sandflächen in meinen Träumen immer was mit Tod zu tun haben – auch wenn ich nicht weiß, warum das so ist.

Daß der Tod mir immer als weibliche Gestalt erscheint, finde ich interessant … im Rückblick sieht es jedenfalls so aus, als seien die ganzen Rauhnächte damals ein Crashkurs in Sachen Weiblichkeit gewesen. (Dazu sollte ich vielleicht erwähnen, daß ich mich nie besonders weiblich gefühlt habe. Lange Zeit hatte ich das Gefühl, ein Mann im falschen Körper zu sein, und es fiel  mir schwer,  meinen weiblichen Körper anzunehmen. Das ist jetzt schon viel besser geworden … )

Reise  mit der Gevatterin zur Erdmutter

27. 12. 1999

Eigentlich wollte ich zur Muschelfrau, weil ich meine Tage gekriegt hatte und das ziemlich schmerzhaft war. Aber statt dessen kam Gevatterin Tod, mit einer Schädelmaske, um  mich mit einem ‚Boot abzuholen, weil ich jetzt sterben sollte. Es erinnerte mich an die „Karma-Lesung“ bei Helmut Christof vor Urzeiten: Ein toter Mann treibt den Fluß herunter.  Dann ist er wieder lebendig und steigt aus dem Wasser und ist von hinten eine Frau! – Sie fragte mich dauernd, ob ich auch Angst vor ihr hätte? Ich sagte: „Nein, du siehst aus wie auf dem mexikanischen Totenfest, das finde ich lustig.“ Dann kamen wir durch einen dunklen Tunnel, wo alles mögliche grün in der Dunkelheit phosphoreszierte, und sie fragte mich wieder, ob ich Angst hätte. Ich sagte: „Nein, das ist geil, das ist wie Geisterbahn!“ Sie sagte, es mache ihr Spaß, mit mir zu fahren, die meisten Leute würden zittern und schreien und mit den Zähnen klappern. Ich sagte, ich wüßte nicht wieso. Dann fuhren wir über einen steilen  Wasserfall, und dann sagte ich, jetzt hätte ich ein bißchen Angst gehabt. Sie sagte: „Wieso, wenn du doch den Tod nicht fürchtest, was kann dir dann am Wasserfall schon groß passieren?“ Ich sagte: „Ich weiß auch nicht so genau … vielleicht, daß meine Knochen aus dem Boot fallen und verstreut werden und man sie hinterher nicht mehr alle findet und zusammensetzen kann – so wie Isis, die nicht mehr alle Knochen von Osiris finden konnte, nachher fehlte ihm dann der kleine Finger oder so. Oder wie bei den Schamanen.“ [Scheinbar hatte ich da schon eine Vorahnung davon, was mir bevorstand …]

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Dann kamen wir an eine Stromschnelle. Sie sagte: „Halt dich jetzt gut fest, es geht jetzt tief runter.“ Und es ging wirklich tief, so tief, daß ich irgendwann fragte, ob es überhaupt  noch mal aufhört, oder ob wir jetzt für immer nach unten fahren. Es war so ein Strudel, der einen spiralförmig nach unten zog. Es ging aber nicht für immer. Irgendwann kamen wir mit dem Boot an eine Öffnung, die in den  Berg reinging. Davor standen zwei Wächter. Sie sagten: „Wir haben euch schon erwartet. Paßwort?“ Gevatterin Tod sagte: „Wie bitte? Seit wann brauche ich hier ein Paßwort?“ Sie guckten genauer  hin und sagten: „Ach, du bist es? Dann ist alles klar, ihr könnt passieren.“ Darauf meinte sie: „Was soll das überhaupt? Wenn ihr uns erwartet habt, dann wißt ihr doch Bescheid, oder?“ Sie sagten: „Es ist uns ein Boot avisiert worden, aber wir wußten nicht, wer drin ist. Aber wenn du dabei bist, dann kann sie auch durch, das ist okay.“ („Sie“ war ich.) An dieser Stelle sah sie übrigens ein bißchen so aus wie Nayoma. Schon merkwürdig.

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Dann fuhren wir durch das Tor, drinnen war ein Opfertisch aus Stein in einem dunklen Raum, dahinter ging eine Tür in einen hell erleuchteten Raum.  Ich sagte: „Aha, ich soll also wohl geopfert werden , alles klar.“ Irgendwie war mir davor gar nicht bange. Dann kam eine alte Frau, das war die Erdmutter. Sie sagte: “Ja, du sollst sterben und wiederauferstehen. Aber zuerst sollst du noch duschen.“ Schon wieder duschen! Ich sagte: „Ja, wie die Juden in den KZs, denen hat man auch gesagt, es ginge unter die Dusche.“ Sie meinte: „Ja, so ähnlich.“ Darauf meinte ich: „Bloß die haben dann ja gar nicht geduscht, bei denen kam ja gleich das Gas aus den Duschhähnen. Sie  haben nicht erst geduscht und sind dann gestorben, sondern die Dusche war der Tod für sie.“ Sie meinte, sie würde es ja gut finden, daß ich es mit Humor sehe.

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Dann ging ich in den hell erleuchteten Raum, da war der Duschraum. Seltsamerweise war der ziemlich groß, aber nur in einer Ecke stand eine kleine Duschkabine. Es waren so Badewärter da, die gaben mir Handtücher. Ich sagte zu ihnen: „Kann ich bitte alleine duschen?“ Ich wollte, daß sie weggehen. Darauf guckte der eine den anderen an und meinte: „Na, den letzten Wunsch können wir ihr wohl schlecht abschlagen, was?“  Darauf gingen sie dann, und ich ging ganz fröhlich unter die Dusche. Als ich fertig war, setzte ich mich auf die Kante der Duschkabine und begann mich einzucremen. Auf einmal steckten von rechts und links viele Leute ihren Kopf durch die Türen. Darauf wurde ich richtig wütend und sagte: „Ich hab gesagt, ich will allein duschen! Ich bin noch nicht fertig! Los, raus hier!“ Sie waren ziemlich erschrocken und zogen sich zurück  Ach so, ja, der Körper meinte noch zu mir, wozu eigentlich eincremen, wir sterben doch sowieso, das lohnt sich doch gar nicht mehr. Aber ich meinte zu ihm: „Wenn wir jetzt schon von hier Abschied nehmen, können wir es wenigstens noch mal richtig genießen.“ Nach dem Motto von Reality Nirvana: „If you’re going to do something unpleasant, you might as well do it with style.“ [Wenn man schon etwas Unangenehmes tun muß, kann  man es wenigstens mit Stil tun – ein Zitat aus Fabulous Nobodies von Lee Tulloch.]

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Als ich mit Eincremen fertig war, kamen die zwei Typen mich abholen, um mich zum Opfertisch zu führen. Ich fragte, ob ich mich noch anziehen könnte? Sie meinten: „Nein, du gehst nackt auf den Opfertisch.“ Aha. Na schön. Ich legte mich darauf, und dann kam die Erdmutter und zerhackte mich in viele Teile, was aber merkwürdigerweise gar nicht wehtat. Zuerst hackte sie mir den Kopf ab, er fiel hinten vom Tisch runter. Dann die Beine an den Hüften, an den Knien, an den Fußgelenken und an den Zehen, genau dasselbe dann noch mal an den Armen, der Rumpf wurde am Nabel und unterhalb der Brüste zerteilt und der Kopf noch mal in der Mitte durchgehackt. Das Becken eventuell auch? Das weiß ich nicht mehr so genau.

Dann kamen eine Menge kleiner Raben, die Gehilfen der Erdmutter, um meine Teile aufzusammeln. Nach rechts ging eine Tür ab, dort war ein kleiner heller gemütlicher Raum mit einer Liege, das war der Rekonvaleszenzraum. Die Raben sollten meine Teile wieder richtigrum zusammensetzen, stellten sich dabei aber ziemlich dämlich an, da sie rechts und links nicht auseinanderhalten konnten. Erdmutter kam und schimpfte: „Alle wichtigen Sachen  muß man selber machen, wenn man will, daß sie ordentlich gemacht werden!“ Sie nahm dann die Teile von den Raben und setzte sie richtigrum zusammen. Komischerweise kam dabei eine ganz neue Frau heraus, mit viel längeren Gliedmaßen, einem ovalen Gesicht, glatten langen schwarzen Haaren, die zu Zöpfen mit Perlen drin geflochten waren. Sie war ziemlich schön und sah sehr unschuldig aus – sie war ja auch gerade erst geboren worden sozusagen. Sie sah aus wie eine ägyptische Priesterin oder Göttin oder Pharaonin oder sowas. Jedenfalls ägyptisch. Ein bißchen was von Cher hatte sie auch. Ägyptisch-indianisch anscheinend.  [Das hat mich damals iemlich gewundert, da ich mit dem alten Ägypten noch nie was am Hut hatte. Seltsamerweise hab ich gerade dieses Jahr angefangen, Bücher über Ägypten zu lesen, z.B. Sekhet-a-ra, Tochter des Pharao von Joan Grant, Einweihung von Elisabeth Haich und die Smaragdtafeln von Thoth dem Atlanter, worin es auch viel um Ägypten geht. Die Nofretete- und Tut-ankh-amun-Ausstellungen hab ich aber verpaßt … ;)]

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Dann  durfte ich mir Musik wünschen, und ich wünschte mir das japanische Lied von den Scorpions auf Tokyo Tapes. Die Erdmutter meinte, die meisten Leute würden sich ja Mozart oder Vangelis oder sowas wünschen. Aber sie legte die Scorpions für mich auf (Vinyl!). Als nächstes kam New Church von den Lords, und die Ägypterin wurde von dem Wunsch erfaßt zu tanzen und wollte schon von der Liege aufstehen. Aber die Erdmutter sagte: „Nein, das geht jetzt noch nicht, dein Körper muß erst zusammenheilen, das war sehr anstrengend für dich, du mußt dich jetzt ausruhen.  Vielleicht lege ich dir lieber etwas ruhigere Musik auf, damit du schlafen kannst.“ Darauf legte sie El Hadra auf, anscheinend konnte sie die Information über meine Lieblings-Mmusikstücke aus meinem Bewußtsein rauslesen. Die Ägypterin schlief ein, und die Erdmutter deckte zwei große Gazetücher über sie, ein weißes und ein rotes (weil ich meine Tage hatte). A propos Tage, man entdeckte vorher, als ich auf dem Opfertisch lag, daß ich meine Tage hatte, darauf fragten sie, ob man überhaupt die Zeremonie machen könnte, wenn ich meine Tage hätte. Die Antwort war, ja, es geht, die Zeremonie muß dann nur etwas anders gemacht werden, als wenn ich sie nicht hätte. Aber worin der Unterschied bestand, kam nicht raus. – Tja. Da liegt sie jetzt und schläft, und ich muß noch mal hingehen.

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Das Lied von den Scorpions mitsamt einer Übersetzung habe ich jetzt auf youtube gefunden:

Jetzt um Mitternacht steht der Mond ganz oben am Himmel.

Für wen scheint er so wie in der Vergangenheit?

Nichts ist jetzt mehr auf den Zinnen bis auf  etwas Efeu

Nichts ist zu hören als das Rascheln der Kiefernzweige im Sturm

Mond und Sterne am Himmel oben bleiben unverändert

Doch im irdischen Leben wechseln Höhen und Tiefen einander ab

Hängt der Mond dort, um diese Veränderungen widerzuspiegeln?

Ah! der mitternächtliche Mond über der Burgruine!